Sand und Meer
Marie - 1,5 Jahre
Gerade nochmal Glück gehabt mit den Temperaturen! Gestern war es unerträglich heiß und sonnig hier in der Stadt. Heute waren wenigstens die meiste Zeit dünne Wolken. Trotzdem war ich nach dem Nachmittag mit Marie auf dem Spielplatz nass, klebrig und dementsprechend sandig an allen Körperteilen, die einen die Hitze offenzulegen zwingt. Marie wurde auch von Minute zu Minute dreckiger ;) Geschwitzt hat sie ganz offensichtlich auch, aber das hat ihr nicht viel ausgemacht. Komischerweise war der Spielplatz die meiste Zeit ziemlich leergefegt, dabei sind doch noch gar keine Ferien? Ich erinnere mich an letztes Jahr, als ich mit Leon im Sommer jede Woche auf Spielplätzen war und die so gerammelt voll waren, dass wir fast gar nicht mehr an die Geräte dran kamen. Naja, mir soll's natürlich so auch recht sein :)Als Marie heute in der Babyschaukel saß, hat sie so richtig laut, von ganzem Herzen und aus vollem Hals gelacht - und es war ein bisschen unheimlich: plötzlich konnte ich sehen, wie Marie als Kind nach ihrer Kleinkindzeit aussehen wird! Das hört sich jetzt sicher seltsam an, aber ihr Gesicht hatte einen ganz anderen Ausdruck, gar nicht mehr babyhaft, wie sie sonst ja noch aussieht. Ich kann das auch gar nicht richtig beschreiben, aber ich war ganz fasziniert und wollte sie gleich noch mehr zum Lachen bringen ;)
Ansonsten gibt es nicht viel Neues von Marie zu berichten. Sie ist wie immer zuckersüß gewesen, ihr Wortschatz beläuft sich zur Zeit auf "Hi", "alle", "bwuffbwuff", "Hau[se]" und "Mama[ma...]". Aber das wird schon! Motorisch ist sie etwas weniger sicher als Leon in dem Alter, sie fällt noch viel hin, was ja an sich nichts Ungewöhnliches ist, aber sie fällt immer gleich so ungünstig. Also nicht einfach nur auf den Po, sondern kippt dann oft gleich noch zur Seite und schlägt sich den Kopf garantiert immer an, wenn etwas Geeignetes zufällig in der Nähe ist. Auch wenn sie mal nicht ganz gerade die Rutsche runterkommt, purzelt sie am Ende gleich nicht einfach nur runter, sondern haut ganz sicher noch mit dem Kopf zurück an die Rutsche. Alles noch ein bisschen unkoordiniert, habe ich das Gefühl. Laut Emmi Pikler fallen Kleinkinder nicht so ungeschickt, wenn ihre Bewegungsentwicklung autonom - also ohne Eingreifen und ständige gutgemeinte Hilfen von Erwachsenen (hinsetzen, bevor das Kind sich selbst aufsetzen kann; an der Hand laufen lassen, bevor es frei läuft...) - verlaufen durfte. Dann wüssten sie genau, was sie sich zutrauen können und wie sie fallen müssen, um den sensiblen Kopf zu schützen. Hm, ich weiß ja nicht, wie die motorische Entwicklung bei Marie vor ihrem ersten Geburtstag abgelaufen ist, kann mir also in diesem Fall kein Urteil über die "Mitschuld" der Eltern erlauben.
Nach dem Spielplatz hatte Marie das Glück, sich den ganzen Sand in einer Badewanne auf dem Balkon abwaschen zu dürfen, während ich dreckstarrend ausharren musste ;) Im Wasser übrigens verhält sie sich recht sicher und kann ihren Kopf vor dem Untertauchen bewahren.
So, und nun ist Marie zwei Wochen im Urlaub! Für nächsten Donnerstag habe ich aber schon einen "Ersatz": Ich sehe endlich Leon mal wieder! Seit Februar war ich nicht bei ihm, seit November sowieso selten, weil er in die Kita gekommen ist. Jetzt bin ich gespannt, ob er mich wiedererkennt und ob sie mich vielleicht wieder öfter brauchen?
Am Do, 15. Jun, 23:38 über Teilzeit-Mini ehemals: Marie
verschwindet. Als ihr dasselbe Missgeschick später noch einmal passierte, hatte ich den Eindruck, dass ihr nicht bewusst war, dass sie selbst die Stange nicht fest genug gehalten hat, sondern vielleicht dachte, jemand (der böse schwarze Spalt zwischen den Planken??) hätte ihr die Stange weggenommen. Marie war richtig empört und versuchte mir wild gestikulierend und artikulierend immer wieder deutlich zu machen, was mit ihrer Stange geschehen war und war gar nicht mehr davon abzubringen. Die Welt muss manchmal wirklich ein Rätsel für ein Kleinkind sein!

Haftet so schön auf sonnengecremten Körpern. In der Nase. Am und im Mund. In den Augenbrauen. Im Haaransatz. Im Ausschnitt. In den Hosenaufschlägen. In den Schuhen sowieso. Unter den Nägeln. Im Ohr. Und jetzt auch in der Wohnung und in der Badewanne. Weil Marie die Schaufel noch nicht ihrem Zweck entsprechend verwenden kann, sondern sie einfach senkrecht in den Sand rammt, um sie dann explosionsartig wieder nach oben zu schwingen - Sandregen!
Puzzlefunktionen, Fühlapplikationen, Geräuschimitationen und Aktionsaufforderungen im Vordergrund stehen. Gerade heute bei Marie wieder bemerkt, weil sie so gerne Bücher anguckt und ich dadurch auch in den Genuss komme: in wirklich nahezu jedem Buch gibt es irgendetwas zu tun, einfach angucken und den Erzählungen des erwachsenen Lesepartners zuhören ist gar nicht möglich: "nimm hier das Puzzleteil raus und schau, was dahinter ist", "versuch rauszufinden, wo es wieder reinpasst", "fühl mal hier! ein flauschiges Küken", "Hör mal, wie die Kuh macht", "mach mal den Reissverschluss vom Teddy auf und zu", "räum die (Magnet-)Objekte von einer Seite auf die andere!", "eins, zwei, drei - zähl die Enten!" usw. - so scheinen die Buchseiten zu befehlen. Hm. Ich muss mir erstmal eine Meinung bilden. Wie finde ich das? Auf jeden Fall ungewohnt. Und hat es Vorteile? Vielleicht, wenn man bedenkt, dass den ganz kleinen Kindern das "Nur-Zuhören" ja noch schwer fällt und sie lieber selbst etwas hantieren möchten. Von daher sind Fühl- und Puzzle-Bücher möglicherweise als positive Weiterentwicklung des klassischen Bilderbuchs zu betrachten. Bücher hingegen, die Musik machen oder Zahlen, Farben und Wörter auf Knopfdruck äußern, sind überflüssig - oder sollten es jedenfalls sein: Vorlesen und gemeinsames Bücher angucken erfüllen zwar sicher auch didaktische Funktionen, leben aber von der emotionalen Komponente des Miteinander-Tuns von Kleinkind und Erwachsenem. Ein Kleinkind lernt neue Wörter genausowenig durch sprechende Bücher wie durch das Fernsehen. Wörter müssen emotionale Bedeutungen und kontextuale Relevanz erhalten, um in das Repertoire des Kleinkindes aufgenommen zu werden. Und genau das ist eben nicht zu erreichen durch Berieselung auf Knopfdruck, sondern nur in der persönlichen, bedeutungsvollen Interaktion mit zugewandten Erwachsenen. Es gibt sowieso schon viel zu viel "Krachmacherspielzeug", da darf doch wenigstens das gute alte Buch mal stumm bleiben!
Und dann hatten wir noch Riesenspaß mit einer "Hinterherzieh-Entenschar", die herrlich quakt, wenn man sie an ihrem Band über den Boden zieht. Schon vor einem Monat hat sich Marie kaputt gelacht über dieses Tier, und heute ist sie auch wieder ausgeflippt und durch die ganze Wohnung lachend hinter mir und den Enten hergerannt, die natürlich ihr zuliebe viele Haken geschlagen haben