Sonntag, 4. Februar 2007

Herausforderung - für alle drei

Emma - 3;4 Jahre & Paul - 1;1 Jahre
Ich schaue gerade bewundernd zu allen Eltern auf (bzw. zu dem Elternteil, der den größten Teil des Tages mit den Kindern zu Hause verbringt). Aber auch ein bisschen unverständig. Mir wäre es definitv zu knapp, das zweite Kind schon zwei Jahre nach dem ersten zu bekommen. Habe ich heute mal so festgestellt. Ich war bei Emma und Paul, nur einen Nachmittag, aber am Ende war ich fix und fertig. Das macht ja nichts weiter, bin ja nur der Babysitter und habe ja immer die Aussicht, in überschaubaren Zeiträumen wieder alleine zu sein, und kann mich lange erholen, bevor ich mich den nächsten Minis stelle. Und gerade deshalb macht es mir ja auch so viel Spaß. Aber ich frage mich, wie Mütter (meist sind es ja wohl die) das Tag für Tag für Tag schaffen, ohne durchzudrehen vor lauter Selbstaufgabe - ich schaffe es ja kaum, mal zwischendurch etwas zu trinken oder zu essen. Hauptsächlich denke ich jetzt an die mit mindestens zwei Kindern. Emma und Paul sind 2 Jahre auseinander, ebenso Moritz und Lotta. Marie und ihr Geschwisterchen in spe werden 2,5 Jahre auseinander sein, Clara und Chris ca. drei Jahre. Sogar die kamen mir noch knapp vor und es war früher, als Chris gerade 3 Jahre alt war, auch oft anstrengend, mit den beiden den relativ langen Nachhauseweg von Kita und Schule zu schaffen, ohne dass einer von uns dreien die Nerven verlor icon_muede. Mit Moritz und Lotta war ich ja meistens nur abends ein, zwei Stunden zusammen, bis auf ein Wochenende, das wir komplett gemeinsam und teilweise im Zoo verbrachten - danach war ich auch geschlaucht. Drei- und Vierjährige sind einfach zu anspruchsvoll, was Aufmerksamkeitsbedürfnis und Durchsetzungswillen angeht, während ihre kleinen Geschwister gerade das Laufen und Klettern und ihren eigenen Willen entdecken und permanent beobachtet werden müssen. Ich kann mir nur denken, dass man als Eltern ja langsam in die Sache reinwächst, während man als Betreuer vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Von jetzt auf gleich muss ich z.B. nun meine Aufmerksamkeit zwischen Emma und Paul aufteilen und fühle mich dabei oft zerrissen und unzufrieden, weil ich keinem gerecht werde - ganz zu schweigen von Emma, die nun auch schnell lernen muss, dass ich nicht ihr Privatanimateur bin. Das kommt daher, dass ich erst jetzt, wo Paul im Vergleich zu einem Säugling ja schon dauerhaft eine Menge Aufmerksamkeit und "Aufpassen" braucht und auch den ganzen Nachmittag wach ist, auf beide zusammen aufpasse. Von 0 auf Hundert sozusagen. Weder ich noch Emma hatten die Zeit, die sie wahrscheinlich mit ihren Eltern hatte, uns an die Notwendigkeit zu gewöhnen, dass nun auch von mir noch ein anderes Kind versorgt und "bespielt", zumindest beachtet, werden will. Emma kennt mich, seit sie selbst in Pauls Alter war, eben nur als Spielkameradin, die den ganzen Nachmittag nichts anderes zu tun hat, als mit ihr die schönsten Sachen zu spielen und zu unternehmen. Nun ist ihr ihre Enttäuschung deutlich anzusehen. Heute war es ja dann das erste Mal, dass wir wirklich nur zu dritt einen ganzen Nachmittag verbracht haben, und Emma konnte nur schlecht mit der Situation umgehen. Ich musste mich natürlich zunächst Paul widmen, damit er sieht, dass jemand für ihn da ist, wenn seine Eltern weggehen, ich musste also für ihn besonders präsent und wahrnehmbar sein. Das klappte auch ganz ohne Probleme; zwar hat sich seine Mutter als erstes verabschiedet, weil er sich von ihr nur ganz schwer trennt, während er noch bei Papa war, aber sobald sie aus der Tür war, zog sich auch der Papa zurück und Paul fand das ganz okay (was auch den ganzen Tag so blieb). Emma, die normalerweise bekannt dafür ist, dass sie auch schon ganz schön ausdauernd und kreativ alleine spielen kann, wusste nun gar nichts mit sich und uns anzufangen. Sie wollte mit mir spielen, ich war aber wie gesagt mehr Paul zugewandt, damit er sich erstens nicht verlassen fühlt und sich dann an Mama erinnert icon_wuah und zweitens, damit er sich nicht bei seinen zahlreichen Kletteraktionen (und im Chaos des Kinderzimmers icon_sauer) wehtut und unberuhigbar wird. Nach einiger Zeit hat sich die Sache etwas entspannt, als ich sicher war, dass Paul nicht einfach in Verzweiflung ausbrechen würde - dafür war er auch einfach viel zu beschäftigt. Aber Emma wurde immer schriller und nerviger und fing an, Paul nachzuahmen: Sachen durch die Gegend schmeißen, mit Löffeln etc. auf Dinge klopfen, halt so typische "Babyspiele". Dabei tat sie mir richtig leid, denn es war ja offensichtlich, dass sie glaubte, mit solchen Paul-Tätigkeiten mehr Aufmerksamkeit von mir zu bekommen. Schließlich haben wir uns nach einem Snack (auch hier wollte Emma von Pauls Obstbrei) auf den Weg zum Spielplatz gemacht. Dort wäre es für mich sicher ziemlich entspannt zugegangen, wenn ich denn gewusst hätte, wo Pauls Matschhose und Gummischuhüberzieher sich in der nicht gerade übersichtlich aufgeräumten Wohnung befinden. Da das nicht der Fall war, musste ich ihn auf dem Spielplatz die meiste Zeit herumschleppen, weil der Sand zu nass zum Krabbeln und seine Stoffschuhe (hat noch keine festen) nicht geeignet zum an-der-Hand-Rumlaufen waren. Naja, wenigstens Emma war sich selbst genug, indem sie die ganze Zeit schaukelte und einer fangenspielenden Familie fasziniert zusah. Aber natürlich hat sie von mir auch einiges an Lob eingeheimst, dafür dass sie sich schon selbst Anschwung geben kann. Überhaupt habe ich versucht, Emma für alles zu loben, was sie richtig und alleine macht, denn in Hinblick auf unseren ab morgen regelmäßigen Montagstermin soll sie natürlich möglichst unkompliziert sein - da hilft es schon enorm, wenn sie sich alleine an- und auszieht und ihre Sachen weghängt, oder ohne zu murren die Treppe alleine hochgeht, oder mir mal etwas Runtergefallenes hochhebt, wenn ich Paul auf dem Arm habe. Dafür hat sie natürlich auch viel positive Aufmerksamkeit verdient(Man muss dazu wissen: bisher hatte sie bei mir immer eine "Extrawurst" bekommen - "Malin soll mich die Treppe hochtragen." - "Du sollst mir die Schuhe ausziehen." usw.. Das war immer ein Teil von Emmas Art, ihre Zuneigung zu zeigen, wenn ich alles für sie tun sollte, was sonst Mama getan hat.). Ich bin gespannt, wie wir es morgen hinkriegen. Ich hoffe, dass ich es schaffe, meine Augen auch mal etwas dauerhafter von Paul zu entfernen - denn er spielt zur Zeit schön alleine neben uns - und mich Emma zu widmen. Ich sehe schon ein, dass es ansonsten auch meine eigene Schuld ist, wenn Emma "unerträglich" und aufgedreht wird. Und hier am Ende kann ich es nur wiederholen: Respekt allen Menschen, die jeden Tag nicht nur zwischen Alltagsaufgaben und Kind, sondern auch noch zwischen Kind und Kind hin- und hergerissen sind und trotzdem meistens Freude daran haben und mit niemandem tauschen möchten!

Malin

Hallo liebe Leser, hier blogge ich als "Malin" (ebenso wie die Namen der Kinder ist dies aus Datenschutzgründen ein Pseudonym) über meine Erlebnisse und Gedanken im Zusammenhang mit meiner Teilzeitbeschäftigung als stundenweise Betreuerin ("Babysitter") von den lieben Teilzeit-Minis. Ich habe einen Hochschulabschluss in einem kindheitsrelevanten Fach, bin relativ jung ;) und wohne in einer deutschen Stadt.

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Malin (Gast) - Fr, 24. Okt, 22:18
ja, das wäre auch meine...
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mandy (Gast) - Fr, 24. Okt, 21:35
Das ist ja mal ne Nachricht....
Herzlichen Glückwunsch und ganz viel Spaß mit dem Vollzeitmini...gibts...
Spillie-Mama (Gast) - Di, 14. Okt, 21:37
herzlichen glückwunsch!!!
mönsch, da kuckt man das erste mal seit wochen wieder...
mandy (Gast) - Di, 14. Okt, 21:22
The End
Telefonat mit Emmas und Pauls Mama. Die Mama: "...Damit...
Babysitter-Malin - Sa, 11. Okt, 11:49
Das wäre ja noch schöner...
...wenn die Überstunden auch noch unbezahlt wären!...
Malin (Gast) - Di, 19. Aug, 23:05
zahlen
die die Mehrarbeit dann wenigstens????
sandra (Gast) - Di, 19. Aug, 22:10

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