Donnerstag, 2. November 2006

Das Ende der Spielplatzsaison

Marie - 1;10 Jahre
Bei nur noch 5 Grad war ich schon bei meiner Ankunft bei Marie schockgefrostet (ist ja ungewohnt, diese Kälte), und so sind wir dementsprechend nur noch für ein halbes Stündchen spazieren gegangen, Marie dick eingemummelt in ihrem Fell im Kinderwagen. Für ein bisschen Aufwärmsport im Sinne von Rumlaufen war sie auch nicht zu begeistern. Auf meine Frage, ob sie denn mal raus möchte aus dem Kiwa, kam zwar ein "ja", kaum draußen zog sie aber bereits an meinen Hosenbeinen herum, um auf den Arm zu kommen. Besonders gut fortbewegen kann sie sich nämlich in ihren dicken Klamotten noch nicht - muss man sich ja auch erst dran gewöhnen, im ersten Winter mit Laufkompetenz icon_wink Obwohl Marie nach dem Spielplatz gefragt hat und wir auch dran vorbei kamen, haben wir uns dort nicht aufgehalten. War sowieso niemand da und alle Geräte sicher knitterkalt, ebenso der Sand. Ihre Mama wollte das wohl auch nicht unbedingt, wie ich zuvor rausgehört hatte.

Marie und ich hatten eine Woche Pause gehabt (ihre Mutter hat übrigens erzählt, dass Marie letzte Woche, als es nachmittags geklingelt habe, direkt meinen Namen kreischend zur Tür gelaufen sei - und enttäuscht den Briefträger entdeckt habe icon_nixweiss) , aber mir ist heute nichts Neues an ihr aufgefallen. Außer, dass sie mir bereits im Hausflur die Koseform meines Namens zurief, den sie sich selbst ausgedacht haben muss, denn ihre Mutter sagt den nicht. Und das, obwohl sie doch meinen kompletten Namen schon ganz gut sagen kann. Ich fand's niedlich icon_liebhab Achja, und sie korrigiert sich jetzt selber, wenn sie beim Spielen "Mama" zu mir sagt, bzw. meistens ruft sie das ja, wenn sie Hilfe braucht. Heute hat sie dann bei solchen gelegentlichen Irrtümern gleich meinen Namen hinterher geschoben.

Wieder zurück im Warmen haben wir mit ihrer Holzeisenbahn gespielt, gemalt, geschaukelt und Marie hat die Riesenschuhe ihres Vaters anprobiert. Zum Schießen!
Auch hat sie versucht, mit beiden Beinen vom Boden hochzuspringen (also nicht mit den Schuhen natürlich!), was ihr aber noch nicht gelingt. Sie kommt nicht vom Boden weg. Bin mir jetzt aber nicht so sicher, in welchem Alter das normalerweise klappt.

So, und nun muss ich zugeben, dass ich zwar bezüglich des mir beim letzten Mal von Maries Mutter geschilderten Problems recherchiert habe, aber heute vergessen habe, ihr meine Ergebnisse mitzuteilen. Ganz toll icon_sauer! Werde ich nachholen, aber wenigstens hier kann ich ja schonmal zusammenfassen, was ich aus Gesprächen mit ehemaligen Kommilitonen und einer Erziehungsberaterin rausziehen konnte:
Ganz wichtig: die Erwachsenen-Interpretationsbrille abnehmen. Marie ist genau in dem Alter, in dem ein körperliches Ausagieren von Emotionen durch hauen, kratzen, beißen sehr typisch ist und keinerlei "abweichendes" Verhalten darstellt. Die geschilderten Verhaltensweisen dienen dem Kleinkind zur Spannungsabfuhr und haben nullkommanull mit "böse sein" oder andere bzw. sich selbst bestrafen wollen zu tun! Das finde ich einen ganz bedeutsamen Punkt, weil man als Erwachsener, der vielleicht keine entwicklungspsychologische Vorbildung hat, dazu neigt, solche Verhaltensweisen als "böse" einzustufen und das Kind entsprechend tadelnd zu behandeln. Ich glaube, durch solche Missverständnisse und Fehldeutungen können schon früh Beziehungsprobleme zwischen Eltern und Kind entstehen und die Zuschreibung von Attributen an das Kind, die zwar nicht den Tatsachen entsprechen, es aber dauerhaft negativ prägen können.
Zurück zu Marie: es gibt also zwei Ansatzpunkte bei der "Behandlung". Zum einen kann man sich fragen, warum das Kind so viel Spannung aufbaut (was müßig sein kann, weil man das, was in einem so kleinen, auch noch vorsprachlichem Kind vorgehen mag, einfach als Erwachsener nie komplett kapieren kann icon_confused) und dann versuchen, diese Anstauung zu verhindern. Vorschläge, die ich gehört habe: viel Bewegung, auch mit Musik, Massagen zur Entspannung, Rituale. Außerdem ist es wichtig, das richtige Reizniveau für den jeweiligen Entwicklugsstand des Kindes zu finden, damit es sich weder über- noch unterfordert fühlt. Speziell was Marie angeht, denke ich, dass die Bewegung der Knackpunkt sein könnte. Marie hat einfach unheimlich viel Energie, die irgendwo hin muss. Vielleicht könnte man da ansetzen.
Zum anderen geht es darum, wie man in der Akutsituation mit Verhaltensweisen wie hauen und (sich selbst) beißen umgehen kann. Hier könnte man sich je nach konkreter Situation Reaktionen vorstellen, die vom Nicht-Beachten (damit sich das Verhalten nicht verselbständigt und irgendwann zielgerichtet zur Aufmerksamkeitslenkung eingesetzt wird) über das Ablenken hin zum Anbieten von Ersatzgegenständen, die gebissen werden können (Apfel; Teddy) reichen. Wenn das Kind haut, kann man seine Hand kurz (!) nehmen und deutlich "nein" sagen, denn selbst wenn man in der Lage ist zu verstehen, dass es für das Kind um Spannungsreduktion geht, muss ihm doch verdeutlicht werden, dass solches Verhalten nicht geduldet wird, auch wenn es noch nicht aggressiv gemeint ist. Hierbei ist es übrigens besser, nicht zu sagen "das macht man nicht" sondern "ich möchte nicht, dass du das machst", weil das kleine Kind mit Generalisierungen wie "man" nichts anfangen kann, während es sich normalerweise schon dafür interessiert, was die Mutter meint. Die Situationen, in denen das Verhalten auftritt, könnten z.B. auch gut als Rollenspiel zwischen Kuscheltieren nachgespielt werden, um das Thema etwas aus der Eltern-Kind-Beziehung zu externalisieren und bewusster zu machen.
Ansonsten halte ich es noch für eine gute Idee, dem Kind seine eigenen Gefühle deutlicher zu machen, indem man sie verbalisiert. Man muss ja daran denken, dass ein so kleines Kind nur fühlt, aber nicht weiß, was und warum es fühlt. Erst wenn es seine eigenen Gefühle erkennen und einordnen kann, kann es mit ihnen gut umgehen. Wenn sich das Kind z.B. über etwas Misslungenes ärgert, spürt es nur dieses heftige Gefühl in sich aufsteigen, weiß aber im Grunde gar nicht, warum es sich plötzlich so ungut und zerrissen fühlt. Man könnte dann z.B. sagen: "Ohje, bist du aber wütend! [das und das hat nicht geklappt] und du bist richtig wütend darüber!" Das ist jedenfalls besser, als die Gefühle des Kindes herunterzuspielen ("Reg dich doch nicht so auf! Das ist doch gar nicht schlimm!". Sicher gibt es auch Situationen, wo eine solche Beruhigung und Herunterregulierung der Gefühle durch die Erwachsenen nötig sein kann, aber das sind in der Regel andere, als die, um die es hier geht.)
So viel erstmal dazu! Mal sehen, ob Maries Mutter mit meinen/unseren Überlegungen etwas anfangen kann.

Malin

Hallo liebe Leser, hier blogge ich als "Malin" (ebenso wie die Namen der Kinder ist dies aus Datenschutzgründen ein Pseudonym) über meine Erlebnisse und Gedanken im Zusammenhang mit meiner Teilzeitbeschäftigung als stundenweise Betreuerin ("Babysitter") von den lieben Teilzeit-Minis. Ich habe einen Hochschulabschluss in einem kindheitsrelevanten Fach, bin relativ jung ;) und wohne in einer deutschen Stadt.

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Spillie-Mama (Gast) - Di, 14. Okt, 21:37
herzlichen glückwunsch!!!
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mandy (Gast) - Di, 14. Okt, 21:22
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Babysitter-Malin - Sa, 11. Okt, 11:49
Das wäre ja noch schöner...
...wenn die Überstunden auch noch unbezahlt wären!...
Malin (Gast) - Di, 19. Aug, 23:05
zahlen
die die Mehrarbeit dann wenigstens????
sandra (Gast) - Di, 19. Aug, 22:10

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